Entschuldigt, aber den Titel wollt ich immer schon mal haben
. Und die Headline passt gar nicht mal so schlecht zum Thema, geht es doch um die Leserbriefe der letzten Tage, die im selbsternannten “Tageblatt der Südtiroler” abgedruckt wurden. Und genau wie der Titel meines Artikels sind diese Leserbriefe ja auch scharfe Geschütze, die sich bei genauerem Hinsehen als warme Luft entpuppen.
Wie dickflüssig sich bei den Leserbriefschreibern Blut und Schweiß aus eigener Feder zu einer flammenden Predigt ergießen fasziniert mich schon seit langem. Doch am Ende eines Brandes bleibt meist nur Asche … und es ist auch leider hier nicht anders. Ein Hauch von Rechtspopulismus kopuliert mit pseudo – christlicher Selbstüberschätzung. Was da wohl herauskommen mag ?? Lest selbst [*.pdf].
Und da heute mit bunten Adjektiven und überdimensionalen Hauptworten eh nicht gespart wird, möchte ich mich nun allen drei Leserbriefen widmen.
Da hätten wir zunächst mal die geistlichen geistigen Bäuerchen von Herrn Dr. Hans Lunger der auch netterweise gleich für den ganzen Verein für christliche Erziehung und Schule schreibt. Aber zunächst einmal etwas zur Person, die diesen Artikel schreibt. Und allein schon DAS ist der Hammer !
Die Homepage des Rechtsanwaltes christliche-erziehung-und-schule.com informiert über: Homosexualität ist eine Krankheit , die Rechtslage beim Sexualunterricht in der Schule, dass nur Enthaltsamkeit vor Aids schützt, denn Kondome haben alle Löcher, usw. usw.
Die Liste der Schriften des Propheten Lunger ist endlos lang. Wer sich die volle Dröhnung geben will ist auf christliche-erziehung-und-schule.com unter dem Menüpunkt Stellungnahmen herzlichst dazu eingeladen.
Nach dieser absurden Lektüre hab ich schon mit dem Gedanken gespielt nicht weiter auf den Leserbrief einzugehen, da sich der gute Herr Lunger mit dieser Homepage selbst ins Aus befördert hat. Aber es ist genau diese Form von christlichen Fundamentalismus und totaler Verblendung die auch in seinem Leserbrief zum Vorschein kommt. Zitat :
Weiters wurden damals an die Jugendlichen und auch an die Kinder unter 14 Jahren von der Homosexuelleninitiative “Centaurus” und von der Aids-Initiative “Pro Positiv” so genanntes Informationsmaterial und auch Kondome verteilt. Das bedeutet, dass die Kinder und Jugendlichen sowohl zu freizügigen Ausleben der Sexualität wie auch zu homosexuellen Leben angeregt und ermutigt wurden.
Na, da bin ich mal gespannt, wie viele der 4000 Festivalbesucher sich von einem Kondom derartig “ermutigen” und “anregen” ließen an Ort und Stelle gleichgeschlechtliche Liebe zu praktizieren. Oder meinte der Herr Lunger mit dem “freizügigen Ausleben der Sexualität” etwa Händchenhalten ?
Aber damit nicht genug, nach diesem rhetorischen Selbstmordattentäter
haben es auch noch zwei weitere Trittbrettfahrer : Franz “der politische” Gritsch und Paul “Apokalypse” Schöpf in die Dolomiten Leserbriefcharts geschafft. Alle drei Texte sind übrigens verdächtig ähnlich und entstammen deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit dem selben Dunstkreis.
Aber kommen wir zu Franz :
Franz ist politisch interessiert. Union oder Freiheitliche wählt er am liebsten
Deshalb kennt sich Franz auch mit der Populistenrhetorik aus und nennt konkrete Zahlen : 3000 Euro hat Kasslatter Mur in Eigenregie als Beitrag gewährt, zahlreiche Jugendliche mussten wegen Alkoholvergiftung oder wegen übertriebenen Alkoholgenusses ins Krankenhaus;
Dann kommt der Absatz der suggeriert, dass dieses Jahr wieder Alkohol aufgeschenkt wird (was aber heuer nicht mehr so ist) und “zahlreiche Jugendliche” wieder ins Krankenhaus müssen. Oder gar in die Psychatrie, wegen der Charakterlichen und Seelischen Schäden die eine solche Massenveranstaltung zwangsläufig mit sich bringt, schreibt Franz.
Schuld haben eigentlich die Organisatoren das weiß Franz ganz genau, denn diese haben unter anderem “Jugendliche zur sexuellen Freizügigkeit angeleitet”. Also die Organisatoren sind für Franz so ne Art Zuhälter. Das steht wirklich so im Text von Franz Gritsch. Hier das Zitat :
Dies obwohl sich 2006 eindeutig gezeigt hat, dass eine solche Massenveranstaltung (Mittelschüler unter 14 Jahren) und Jugendliche in charakterlich-seelischer Hinsicht schädlich ist. Dies umso mehr, nachdem dieselben [14 jährige] dabei von verantwortungslosen Organisatoren zur sexuellen Freizügigkeit angeleitet wurden.
In den letzten paar Zeilen blüht wieder der redegewandte Politiker auf, der in seiner unendlichen Weitsicht keinen anderen Ausweg sieht als die Wiederwahl von Kasslatter Mur zu boykottieren, damit “unserer Jugend mit Steuergeldern nicht noch mehr Schaden zugefügt wird.” Dies tut er jedoch nicht ohne zuerst auf UNSERE christliche Tradition und Kultur anzuspielen. Diese Form der Argumentation kennen wir ja schon.
So, dann wär da noch der Apokalypsen – Paul. Da reicht eigentlich dieses Zitat :
[...] wodurch die Jugendlichen in eine Art Massenhysterie versetzt werden, so dass sie teilweise nicht mehr wissen, was sie tun. Eine solche Massenveranstaltung wird unkontrollierbar und erscheint deshalb verantwortungslos.
Aber, dass man “teilweise nicht mehr weiß, was man tut” ist halb so schlimm. Viel schwerer liegt der Fall, dass man am Sonntag nicht mehr den Gottesdienst besuchen kann.
Befremdend ist auch, dass die Kinder und Jugendlichen bis lang nach Mitternacht dort bleiben werden und dann am Sonntag nicht mehr Lust haben, einen Gottesdienst zu besuchen. Eine solche Veranstaltung trägt somit zur Zerstörung der christlich-katholischen Kultur unseres Landes bei. [...]
Moralapostel Paul beansprucht also für sich das Recht uns zu belehren was “christlich-katholische Kultur” ist. Die Frage wer hier Schaden an selbiger anrichtet würde ich als Christ allerdings ganz anders beantworten.
Alle Leserbriefe gibt’s hier als Download . Morgen wird sicher wieder neuer Stoff die Leserbriefseite füllen.
Eigentlich schade, dass alles was die Herren da schreiben in keinster Weise stimmt. Ich wäre letztes Jahr gerne auf einer Abschluss Fete mit dabei gewesen, wo ganze Heerscharen lesbischer Weiber vor lauter angetrunkener Geilheit bis Sonnenaufgang über meinen Latex – gestählten Körper herfallen. Aber da muss man wohl die Kirche im Dorf lassen.
Nachtrag 14.06. : Die Leserbriefseite der “Dolomiten” wird heute von vier Artikeln zum Thema gefüllt. Ich habe sie alle in die *.pdf File eingefügt. Downloaden kann man sich das Ganze hier.