Flotte Photos von unserm Gig im Treffpunkt Meran sind auf eventguide.it online.
Monthly Archive for July, 2008

Sieben Tage, fünf Auftritte, einmal unverstärkt, vier mal mit Anlage, zwei davon mit einer, einer mit zwei “Poppln” (Autsch !), immer zu sechst einmal kurz mit “special Guest” Mair Tobi, zwei schneidige Fotografinnen, zwölf Zugaben, neun mal “Giggr”, sechs mal Pasta, viel Durst und jede Menge bunte Leute. Es geht rund dieser Tage und unser Terminplan lässt verkünden : Der August wird heiß.
Obiges unscharfes Photo zeigt ein Stück Lippe ans Mundstück geschweißt von unserem ersten Solo Trompeter Michael. Liebe tut manchmal weh
Photos zu allen Auftritten vergangener Woche sind nun online. Auch die “Best Of …” – Gallerie wurde aktualisiert.
Alles schwarz-weiß, oder was ?
Es fällt mir dieser Tage schwer mich zurückzuhalten, vor allem, wenn ich bei Kaffeegesprächen über Kunst, Politik, Amphibien und/oder das heilige Land Tirol und dessen Ureinwohner plaudere. Die Thematik, die im Museion mittlerweile ein ganzes Buch (Pressespiegel) füllt kommt mir mittlerwile nur mehr sehr zähflüssig, garniert mit kleinen zynischen Bröckchen über die Lippen.
Das meisterhaft inszenierte Theaterstück “Zuerst die Füße” zeigt mit erschreckender Intensität und Schärfe die Zerrissenheit einer Bevölkerung, die über große Teile hinweg immer noch nicht in der Lage ist sich selbst, die Meinung anderer, die eigene Geschichte und die Kirche zu hinterfragen. Es ist dies das Drama einer Kultur in der katholischer Populismus, Gehässigkeiten gegenüber Andersdenkender und das Unverständnis gegenüber Kritik tief verwurzelt sind.
Wer mit christlichen Anschauungen, dem eingeschränkten Verständnis über Tiroler Kultur argumentiert sieht sich immer im Recht und bekommt immer Recht. Alles andere ist Blasphemie, Geschichtsverfälschung, gegen das Hirngespinnst einer Großtiroler Identität und zerstört die ach so heilige heile Weltanschauung eines jeden Südtirolers. Die Kirche ist unangefochten oberste moralische Instanz in allen Belangen und Bereichen. Andreas Hofer selig gesprochener, glorifizierter Held und großer, wenn nicht größter europäischer Visionär. Auf dieser Ebene, wo keine sachliche, konstruktive Kritik mehr möglich ist sind wir schon längst angelangt.
In mir erhärtet sich von Tag zu Tag der Eindruck, dass dies mit dem Selbstverständnis des Südtirolers zu tun hat und mit seinem unermüdlichen, beinahe krampfhaften Ringen nach Identität. Der Südtiroler hat sich selbst zur aussterbenden Rasse erkoren. Ebenso stark und unermüdlich, als ginge es um Leben und Tod wehrt er sich gegen jeden äußeren Einfluss, gegen jede Kritik und zerstört in seiner blinden Wut die eine oder ander Kostbarkeit.
Ein Verhaltensmuster, das er seit 1922, seit der Machtergreifung durch die Faschisten und der folgenden Repression verinnerlicht hat. Seitdem ist er kulturell und politisch stehengeblieben, mehr noch, er verweigert sich jeden Fortschrittes in diesen Bereichen mit der ebenso paranoiden wie populistischen Argumentation des Identitätsverlustes. Eine Entwicklung, oder wenigstens eine Öffnung gegenüber Neuem kommt nicht in Frage. Außer man sieht es als große Errungenschaft der Moderne an, dass mein Vater nun nicht mehr den Dorfpfaffen fragen muss, ob er Sonntags die Wiese mähen darf.
Der Südtiroler erstarrt in seiner dunklen Bauernstube kniend vor dem Herrgottswinkeln; die Tür verriegelt, denn draußen stehen immer noch die Walschen und warten nur drauf ihn zu assimilieren.
Diese Totschlagargumente füllen Tag täglich unsere Tageszeitungen. Zum Einen sind es die zweieinhalb Parteien, die in der Öffentlichkeit ausschließlich mit dieser Thematik auf Wählerfang gehen. Auch auf die Gefahr hin sich der Lächerlichkeit preiszugeben verfolgt man eine Argumentation, oft die Stimme des Volkes genannt, die nur auf desinformiertem, vorgeheiztem Boden fruchten kann und sich über jede sachliche Diskussion erherhebt. Jedes Argument und der, der es ausspricht wird mit der ebenso einfachen wie effektiven Formel : “Bische a Südtiroler oder bische koaner ?” (o.ä.) entwertet oder diffamiert.
Zum Anderen sind da die im Auftrag des Allmächtigen handelnden, emsig-fleißigen Leserbriefschreiberlein, deren Ejakulat die Flächen Rund um den “Witz des Tages” einer bekannten Tageszeitung füllt. “Guten” Christen ist das Onanieren bekanntlich vom Vatikan verboten, dennoch fühlen sich Leserbriefe inhaltlich oft so an als wären sie mit weißer, dickflüssiger Tinte auf weißem Hintergrund geschrieben worden : Schnell noch die Biebel zitiert um konservativ ergo glaubwürdig zu wirken und nicht vergessen im letzten Absatz als einzig möglichen Ausweg den Rücktritt einer öffentlichen Person zu fordern, oder sein Wahlverhalten öffentlich kund zu tun.
Das Paradoxe, die angesprochene Zerissenheit kommt dann zum Vorschein, wenn man Südtirol von seiner wirtschaftlichen Seite betrachtet. In dieser Sparte, dann nämlich wenn’s um Geld und Prestige geht, hat man schnell bemerkt, dass man mit derartiger Weltanschauung nicht weit kommt. Man hat verstanden, dass glücklich – grinsend – schunkelnde Volksmutanten, die in Trachtenähnlichen Lumpen ihre Lippen zum Vollplayback bewegen und die oben beschriebene heile Welt mit einer schier grenzenlosen Dummheit Naivität besingen langfristig keine Zukunft haben. Die ergraute Hörerschaft wird bald ausgestorben sein. Eben aus diesem Grund kritisiert z.B. die Südtiroler Marketing Gesellschaft (SMG), dass der nächste Grand Prix in Südtirol mit stolzen 150.000 Euro vom Land (!) subventioniert werden soll.
Südtirol versucht nach außen modern und Weltoffen zu wirken und hat sich um dies zu unterstreichen in den letzten Jahren allerhand Kulturelle Großprojekte geleistet, die in jeder modernen Land/Stadt zu finden sind : Ein kleines Museum für zeitgenössische Kunst, mehrere Jazzfestivals, ein Stadttheater, einen Ballett/Tanzsommer u.v.m. Alles von internationalem Format und auf Top Niveau. Oft wirkt das Ganze jedoch recht aufgesetzt, als Belustigung für Schöngeister.
Es gibt in Südtirol in diesen Bereichen keine Ausbildungsmöglichkeiten und somit auch kein intellektuelles Fundament für Balett, Tanz oder Schauspiel. Um Saxophon zu studieren muss ich nach Trient oder Innsbruck, eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Jazzmusiker gibt es in ganz Italien erst seit 2008. Auch im Museion sind einheimische Künstler recht spärlich vertreten. Und man sollte sich immer vor Augen halten, dass nicht mal ein grüner Frosch am Kreuz toleriert wird.
Sicher, andere Städte und Länder machen das auch, aber in Südtirol hat es eine Größenordnung erreicht die künstlich wirkt. Zynisch gesagt kaufen wir fremde Kultur ein, nicht nur um Abwechslung zu schaffen, sondern auch um von der Tatsache abzulenken, dass wir in den Köpfen im letzten Jahrhundert stehen geblieben sind. “Odr bische eppr koa echtr Tiroler ?”







