Vor allem Bläser und Sänger sind was rhythmische Präzision anbelangt meist etwas “unterentwickelt”. Grund hierfür ist in der Ausbildung zu suchen. Die meisten Lehrer behandeln das Thema Rhythmus in ihrem Unterricht meist sehr stiefmütterlich. Das beginnt damit, daß man sein Metronom immer auf eins und drei oder auf allen Zählzeiten mitlaufen lässt, oder man immer wenn sich auf der Eins eine Pause befindet einatmet und gipfelt darin, dass man einem Schüler generell rhythmisch anspruchsvolle Passagen vorsingt bis es eben ungefähr geht.
Nun bin ich seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Lehrbuch, das speziell auf diese Mängel eingeht. Es gibt sehr wenig Material und ich sah eigentlich keinen anderen Ausweg als mir ein Drumpad zu kaufen und Schlagzeugunterricht bei unserem Drummer zu nehmen. Ich hab’ wie gesagt nur sehr wenig Material gefunden, das sich mit Rhythmustraining speziell für nicht – Schlagzeuger befasst. Im Nachfolgenden stell’ ich nun drei Bücher vor, die sowohl für’s Selbststudium als auch für den Unterricht geeignet sind :
Ein Buch, das mir bei meiner Suche unter die Finger gekommen ist und vor allem in Deutschland sehr populär ist : “Die Rhythmik-Lehre” von Eddy Marron.
Das Buch ist zwar sehr gut und verdient seinen Ruf als Standardwerk jedoch konnte ich mich nie so recht damit anfreunden. Das Buch stammt aus dem Jahre 1990 und sieht aus wie mit Schreibmaschine getippt und kopiert. Ein Problem für mich persönlich war auch, dass die Übungen sehr komprimiert dargestellt sind. Man verbringt u.U. mehrere Monate auf ein und der selben Seite bis man alle möglichen Übeszenarien beherrscht. Das tat meiner Motivation bald einen Abbruch.
Ein weiteres Buch ist “Modern Rhythm & Reading Script” von Erich Bachträgl.
Dieses Buch ist vor allem in Österreich sehr verbreitet und gilt ebenfalls als Standardwerk. Den Aufbau der Übungen ist sehr gut man beginnt bei Null und arbeitet sich stetig in kleinen Schritten weiter. Auf 176 Seiten werden eine Vielzahl von unterschiedlichen Themen und Übevarianten behandelt: mal spielt man “Luftschlagzeug”, mal klatscht\singt man zum Metronom, im Duett oder versucht sich auf Percussionsinstrumente. Eine CD ligt ebenfalls bei. Diese beinhaltet Hörbeispiele und einige Play-Alongs. Ich benutze das Buch seit drei Jahren im Unterricht und bin sehr zufrieden damit.
Neulich ist mir in einem Frustkaufrausch ein weiteres Buch untergekommen: “Rhythm Coach” Band 1 und Band 2 von Richard Filz.
Die kleinen Hefte incl. CD kosten zwar nur um die 11 Euro, ich hab es aber innerhalb von zwei Wochen geschafft Band 1 kaputt zu lesen. Die Verarbeitung wird dem Inhalt nicht gerecht
. Der Schwerpunkt liegt bei diesen zwei Büchlein nicht so sehr auf der Verbesserung von rhythmischen Lesefähigkeiten sondern auf dem Verinnerlichen, das Erfühlen vom Puls. Die Übungen sind immer so angelegt, dass rechte und linke Gehirnhälfte gleichermaßen beglückt werden. Es macht einfach Spaß und die Übekonzepte/formen lassen sich auf jede andere Rhythmusübung übertragen. So hab ich jetzt meinen Bachträgl hervorgeholt und die Übungen nochmal mit dem in diesem Buch vorgestellten Übekonzept wiederholt.
Wächter der deutschen Sprache müssen den beiden Bänden allerdings fern bleiben, da sie vollgestopft mit Anglizismen sind.
Nachtrag : Neulich war ich in Paris. Dort bin ich auf eine sehr ausführliche Rhythmusschule von Daniel Goyone aufmerksam geworden. Die 3 teilige Reihe gibt’s allerdings nur auf französisch und ist selbst im Internet schwer zu finden. Der Erste Eindruck war aber durchwegs positiv. Ich weiß leider nicht wie populär das Teil in Frankreich ist.
Bezugnehmend auf die Kritik meines “Rhythm And Reading Script” erlaube ich mir folgende Hinweise: Die “Luftschlagzeug” Übungen sind für reales Drumset gedacht. Die gesungenen Übungen (auf CD) beziehen sich auf die im Heft markierten (CD Symbol)Beispiele. Die einfachen, sehr wohl beide Hirnhälften fordernden Übungen wie:
Drumsetübungen, Claps and Voice,… etc haben noch nichts mit dem “Lesen” zu tun. Sie fördern den Spass an der Unabhängigkeit!
Das man bei den Percussion Übungen mitspielen kann,-eines, oder mehrere der in den Partituren vorkommenden Instrumente (Gruppenübungen!), liegt wohl auf der Hand.
Mit besten Grüßen Ihr Erich Bachträgl
Erich Bachträgl auf unserem Blog
Das glaub ich zunächst mal nicht.
Aber Danke für den Beitrag und die Ergänzungen.
Bei den LOOSEX steht bei der Beschreibung auf Seite 4: “Spiele am Drum Set, schlage\klopfe auf dem [sic] Tisch, den Schenkeln…”
Damit sind das für mich nicht ausschließlich Übungen für reales Drumset.
Dass man bei den Percussionsübungen mehrere Instrumente gleichzeitig spielen soll steht im Buch nirgends und von alleine bin ich da nicht draufgekommen.
Gestört hat mich übrigens auch, dass auf S.32, dort wo die Taktarten erklärt werden Bruchstriche für die Darstellung selbiger verwendet werden.
Ich benutze das Buch seit drei Jahren im Unterricht und bin sehr zufrieden damit. Aber Sie haben recht, ich werde meine Kritik besser formulieren, da es so wirklich schlecht begründet ist und den Absatz abändern.
lg
andreas
Danke für den Hinweis auf meinem Blog und danke für die Tipps, ich werde mal versuchen da reinzuschnuppern.
Viele Grüße
Tobias