Berlusconi ist zurückgetreten. Staatspräsident Giorgio Napolitano beginnt zur Stunde mit den politischen Konsultationen, die höchstwahrscheinlich Mario Monti als neuen Ministerpräsidenten zum Ergebnis haben werden.
So sehr ich mich darüber freue, dass unser Staat endlich aus dem Wachkoma- ähnlichen Zustand zu erwachen scheint, so sehr stören mich die Umstände, wie es dazu gekommen ist.
Nicht wir, das Volk, nicht die Justiz (Link zu einer imposanten Auflistung von Gerichtsverfahren gegen B.), nicht unsere politischen Vertreter haben Berlusconi zu Fall gebracht, sondern letztenendes der Druck der Finanzmärkte und der Europäischen Union. Es ist eine Veränderung, die -auch wenn ich sie gutheiße- nicht demokratisch (im eigentlichen Sinne des Wortes) zustande gekommen ist.
Die neue Regierung wird wahrscheinlich von Technokraten gebildet, die vor allem die EU und die Finazmärkte befriedigen sollen. Das wirft nicht nur abermals ein bezeichnendes Bild auf das Niveau unserer politischen Vertreter in Rom, sondern es zeigt auch, dass dem Bürger das Bewusstsein um die Notwendigkeit einer solchen Veränderung fehlt. Das Volk wird bevormundet, die Entscheidung zum Wandel kam kommt von Oben. Eine Katharsis, eine Reinigung von Innen wird jedoch somit verwehrt, oder zumindest hinausgezögert.
Weil das Bewusstsein in der Bevölkerung z.T. fehlt und weil Berlusconis Anhänger in allen wichtigen Entscheidungsgremien stark vertreten sind wird es diese Übergangsregierung nicht leicht haben. Passend dazu wird Berlusconi auf ard.de mit den Worten zitiert: “Wir können jederzeit den Stecker ziehen” (“Possiamo sempre staccare la spina”).
Mal sehen was die Zukunft bringt, eine Chance zur Veränderung ist es allemal. Berlusconi ist weg, das ist ein Anfang nicht mehr, … aber auch nicht weniger. Berlusconi hat sich während seiner Regierungszeit hauptsächlich damit beschäftigt Gesetze ad personam zu erlassen, seine Politik war in weiten Teilen einzig dem persönlichen Machterhalt verpflichtet. Andere Staaten haben sich in dieser Zeit Gedanken um ihre Zukunft gemacht. Diesen Unterschied müssen wir nun aufholen. WIR … nicht nur Süditalien. Aber in Südtirol hält man es da gerne mit Hölderlin: “Was kümmert mich der Schiffbruch der Welt, ich weiß von nichts, als meiner seligen Insel.”
Abschließend möchte ich noch auf einen interessanten Blog (neusprech.org) verweisen, der ein paar Begriffe näher erläutert, die wir in Zukunft in Übersetzungen wahrscheinlich öfter hören werden:
Markt, der
alternativlos
Wirtschaftsregierung
Eckpunkte